Elektronischer Vorverkauf – zu früh dran gewesen.

Elektronischer Vorverkauf – zu früh dran gewesen.

Date:Mar 26, 2011 Ages: Price: Type: Location:

Die Sache mit Ticketron

Ich habe das Internet verschlafen.

Ja richtig – leider habe ich den Beginn des Internets so richtig verschlafen. Und darüber ärgere ich mich noch heute. Aber von Anfang an: Bei unserem Konzert mit den Rolling Stones im Neckarstadion 1976, hatten wir 114 Vorverkaufsstellen, zumeist – bis auf Frankfurt ausschließlich in Süddeutschland. Das bedeutete Karten aller Kategorien abzählen, und von der Sitzplatzqualität versuchen halbwegs gerecht aufzuteilen. Es gab ja auch keine Personal Computer – so dass für jedes Kartenkontingent von Hand ein Lieferschein auszufüllen war. Anschließend wurden die Karten per Einschreiben an die Vorverkaufsstellen verschickt. Zuvor musste mit jeder Verkaufsstelle telefoniert werden, ob sie bereit sind den Vorverkauf zu übernehmen. Nicht alle waren einverstanden, andere wiederum wollten unsere Bedingungen nicht akzeptieren. Zu den Bedingungen gehörte die Höhe der Provisionszahlung, aber auch ob und wann die Einnahmen und Resttickets abzuholen sind.
Die Vorverkaufsstellen arbeiten wie Handelsvertreter auf fremde Rechnung. Für Veranstalter ist jedoch das Recht wichtig, jederzeit vor Konzertbeginn die Verkaufserlöse abholen zu können. Die Vorverkaufsstelle hat dabei aber immer die Angst, dass ein Konzert abgesagt werden würde und die Kunden das Geld von ihnen zurück haben wollen. Der Veranstalter wiederum benötigt das Geld vorher, da wiederum vor dem Konzert fast 70% aller Ausgaben zu bezahlen sind.

 

Im Gegensatz zu heutigen Veranstaltungen, waren in den 70-zigern die Vorverkaufszeiten viel kürzer und meist nur wenige Wochen oder Tage vor dem eigentlichen Konzertermin. Jetzt beobachte ich Konzerte, die schon Monate oder fas ein ganzes Jahr vorher im Vorverkauf ausverkauft sind.

 

Neben den Telefonieren, Aufteilen der Karten, Versand und persönlichen Hinverbringen – ein dummes Wort gefällt mir aber, da es genau so umständlich klingt, wie  der ganze Vorgang seinerzeit war. Tage vor den Konzerten benötigten wir dann viele vertrauensvolle Mitarbeiter, die die Restkarten und die Einnahmen in bar abholten.

 

Es war auch sehr aufwändig, neue Vorverkaufsstellen zu finden, da ausser dem Kartenhäusle in Stuttgart diese Aufgabe zumeist von Musikhäusern oder Buchhandlungen so nebenbei übernommen wurde. Es mangelte also an durchgehender Professionalität.

 

Mein Freund Len Nadyball, seinerzeit Chef des Tour Offices in der amerikanischen Kasernen kannte als Amerikaner natürlich den amerikanischen Konzertmarkt sehr genau. Er wußte daher auch, was bereits 1976 die Ami´s machten. Die Ami´s war eine Firma „Ticketron“ damals 100%ige Tochter von Control Data, nach IBM glaube ich die zweitgrößte Computerfirma der USA. Davon ist leider auch nicht mehr viel übrig geblieben. Ticketron hatte Computer der mittleren Datenverarbeitungsgeneration in den USA, in vielen Bundesstaaten in Kaufhäusern, wie z.B. Macy´s aufgestellt. Da es noch kein Internet gab, waren all diese Computer per Standleitung tagsüber immer und permanent mit dem zentralen Rechenzentrum von Ticketron verbunden.

Eine Ticketron Computer Vorverkaufsstelle muss man sich so in der Größe eines Schreibtisches vorstellen, also mindestens einen Meter hoch, gefühlte 80 cm Tief und vermutlich 1,80 m breit. Das waren schon Kolosse, aber für 1976 wiederum schon ziemlich kompakt.

 

Wir flogen im Sommer 1976 daher nach New York zu Control Data und Ticketron. Wir kamen mit Ticketron/Control Data zu einer Vereinbarung und beschlossen eine Standortanalyse für Deutschland zu machen. Zusammen mit Herrn Miller von Ticketron besuchten wir in Deutschland zunächst die großen Hallen und Stadionverwaltungen in Dortmund (Westfalenhalle), BVB- Stadium, in München die Olympia GmbH wg. Olympiahalle und – Stadion. Alle waren sehr sehr angetan von unserem Vorhaben.

 

Wir beschlossen die Gründung einer Gesellschaft mit der Bezeichnung „COMPUTRON“.

Computron- Eintrittskarten im Vorverkauf

Ticketvorverkauf über Computer Terminals

Warum ist es dann aber gescheitert? An der Deutsche Bundespost und ihren horrenden Vorstellungen damals, was eine Standleitung kostet. Die Kosten für die Standleitung waren ca. 12x so hoch, wie in den USA. Damit konnten die Terminals nicht an das Rechenzentrum zu vertretbaren Kosten angebunden werden.

 

Da sieht man mal wieder, wie groß die Gier bei Staatsmonopolen ist. Wer rechtfertigt ein um den Faktor “12x” höheren Kostenansatz. Ich glaube nicht, dass das die Wähler bei ihrer Wahl das so wollten.

So und jetzt kommt mein entscheidender Fehler. Ich begrub unsere Idee aus dem Jahre 1976 über den elektronischen Kartenvorverkauf und habe andere Dinge gemacht. Ich kam nicht mehr auf die alte Idee zurück, als der „e-commerce“ im Internet losging. Herr Schulenberg von „eventim“ war da schlauer, auch die Firma CTS. Die haben das erst Jahre später, ich glaube fast 25 Jahre oder noch mehr, angefangen, als es das Internet gab, die Standleitungen somit nicht mehr erforderlich waren. Sei´s drum. Die Deutsche Bundespost und vor allem die Deutsche Telekom – wir können keine Freunde mehr in diesem Leben werden.

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